Magazin

des Bundespresseballs

Willkommen im Online-Magazin des Bundespresseballs. Erfahren Sie hier alles Wissenswerte zum glamourösesten Ballevent des Jahres!


16. September 2019
Moderne Papierkultur von Gmund Papier

Das älteste Start-up der Welt

190 Jahre des Wandels und des Fortschritts liegen hinter Gmund Papier. Idyllisch im Mangfalltal am Tegernsee gelegen, produziert das Unternehmen seit fast 200 Jahren Papier. Ein Produkt, das trotz und gerade im Zeitalter der Digitalisierung nicht wegzudenken ist. Denn: Papier vermag es, positive Emotionen auszulösen. Das Potenzial haptischer Effekte wird auch von Marken in aller Welt bewusst genutzt. Fällt eine Verpackung oder eine Broschüre durch angenehme haptische Eigenschaften auf, animiert es den Kunden zum Berühren – und zum Kauf. Deswegen zählen viele Global Player zum Kundenstamm des bayerischen Unternehmens.

Für Gmund Papier ist es eine schöne Herausforderung, sich immer wieder neu zu erfinden. Treibender Motor ist Inhaber und Geschäftsführer Florian Kohler, der das Unternehmen erfolgreich in vierter Generation leitet. »Früher waren wir Handwerker, heute sind wir Hightech-Papier-Entwickler«, sagt Kohler. Und so entstehen jedes Jahr zwei bis drei neue Kollektionen, umdas bereits bestehende Sortiment von rund 100.000 verschiedenen Papieren zu ergänzen. Alle Papiere sind FSC-zertifiziert und unter höchst ökologischen Bedingungen hergestellt.

Eine der neuesten Innovationen ist die Gmund Bio Cycle Kollektion. Ein Papier aus bis zu 50 Prozent ressourcenschonenden Fasern wie Weizenstroh, Gras, Baumwolle und Cannabis. Ein Statement für nachhaltiges Handeln, dass umweltbewussten Unternehmen für ihre Verpackungen oder Geschäftsberichte einen klaren Mehrwert in Design, Haptik und Glaubwürdigkeit bietet.

Aber Gmund Papier wäre nicht Gmund Papier, wenn nicht auch die Beständigkeit und die Tradition eine große Rolle spielen würden. Die Wurzeln des Unternehmens sind dabei so tief und fest verankert, dass immer wieder Neues und Innovatives sprießen kann. So wurde auf dem Firmengelände aus einem ehemaligen Zellstofflager ein modernes, weltweit einmaliges Fabrikrestaurant: das Mangfallblau. Freigelegte Deckenrohre und teils unverputzte Wände empfangen den Gast und laden in die Fabrik ein. Spannend: Food and Drinks meet Industrial Design.

»Je älter man ist, desto mehr muss man sich anstrengen! Es ist gefährlich, sich selbstgerecht im Rückspiegel zu betrachten. Ein kurzer Blick zurück ist okay, aber das wirklich Wichtige ist Vorwärtsfahren«, ist Florian Kohler überzeugt und fügt schmunzelnd hinzu: »Wenn man es genau nimmt, sind wir eigentlich das älteste Start-up der Welt – gerade wenn es um die Innovationskraft und das Wachstumspotenzial unseres Unternehmens geht.«

Von Büttenpapierfabrik Gmund , veröffentlicht im GLANZ Magazin zum Bundespresseball 2019

 

Über GMUND PAPIER
Gmund Papier steht für Papierkultur seit 1829. Seit 1904 ist das Unternehmen mit rund 130 Mitarbeitern im Familienbesitz und wird heute von Florian Kohler in vierter Generation geleitet. Produktionsstandort ist Gmund am Tegernsee. Hier werden Papiere in kreativem Design und mit energieeffizienten Hightech-Komponenten gefertigt. Die farbigen und strukturierten Designpapiere finden bei Geschäftsausstattungen, Verpackungen, hochwertigen Katalogen oder Imagebroschüren Verwendung.

2. September 2019
Jung und frisch und siebzig

Die Bundespressekonferenz im Wandel der Zeit: Ein Text zum 70-jährigen Bestehen

Als wir im Mai 70 Jahre Grundgesetz zum Anlass nahmen, die freiheitlichste Verfassung auf deutschem Boden zu analysieren, und die wesentlichen Elemente herausarbeiteten, die Deutschland eine derart stabile Demokratie gebracht haben, da spielte Artikel 5 mit der garantierten Meinung und Pressefreiheit neben der Menschenwürde und der Gleichheit vor dem Gesetz eine herausragende Rolle.

Das Gelingen dieser deutschen Demokratie hängt auch und vor allem damit zusammen, dass die Vorgaben dieser Verfassung immer wieder mit Leben gefüllt worden sind. In besonderer Weise gilt das für Artikel 5 und die Bundespressekonferenz. Diese weltweit einmalige Institution ist wiederholt und sehr zu Recht als »gelebte Pressefreiheit« bezeichnet worden.

Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung (hinten Mitte), und Sprecherinnen und Sprecher der Ministerien bei einer Regierungspressekonferenz für Bürgerinnen und Bürger 2018. Die Pressekonferenz leitet BPK-Vorstandsmitglied Tim Szent-Iványi (rechts neben Steffen Seibert).

Wir Hauptstadtkorrespondenten haben uns vor 70 Jahren in Bonn zusammengeschlossen, um selbst Pressekonferenzen zu veranstalten, selbst die Regeln zu bestimmen und allen Mitgliedern dieselben Möglichkeiten zu geben, an Informationen zu kommen. Vielleicht wird das Besondere dieser Entscheidung noch deutlicher, wenn wir die weltweit gängige Praxis mit Fragen skizzieren. Warum ist es als Teil der Pressefreiheit überall akzeptiert, dass allein die Regierung entscheidet, ob sie eine Pressekonferenz abhält, wann sie sie macht, wen sie dazu einlädt, wem sie das Fragerecht einräumt, wer bei Nichtbeantworten Nachfragen stellen darf und wann die Pressekonferenz zu Ende ist? Diese sechs Umstände bilden sozusagen eine Einladung, im Zweifel keine Pressekonferenz auszurichten, wenn die Lage ungünstig ist, Journalisten »zufällig« nicht einzuladen oder ihre Wortmeldungen zu übersehen, wenn sie unangenehme Fragen haben könnten, auf Nachfragen dann schon gar nicht einzugehen und die Pressekonferenz zu beenden, wenn die Lage sich ungünstig entwickelt.

Dass es bei uns vor 70 Jahren gänzlich anders und mit fortwirkendem Erfolg auf die Schiene gesetzt werden konnte, hat vor allem mit drei Besonderheiten zu tun. Erstens: In Deutschland gab es bereits Erfahrung mit selbst organisierten Pressekonferenzen; noch in den letzten Tagen des Kaiserreiches hatten unsere Vorgänger das auf den Weg gebracht, und die Berliner Pressekonferenz hatte die gesamte Weimarer Republik über funktioniert, bis sie von den Nationalsozialisten zweckentfremdet wurde. Zweitens: Es war ein Neuanfang in Bonn; als die Korrespondenten an die Gründung der Bundespressekonferenz gingen, gab es noch kein Bundespresseamt. Die Kollegen wussten, dass sie es selbst in die Hand nehmen mussten, wenn sie schnell an präzise Informationen kommen wollten.

Pressekonferenz im Saal der Bundespressekonferenz im Tulpenfeld in Bonn: (Hinten an den Mikrofonen von links:) Regierungssprecher Klaus Bölling, Bundeskanzler Helmut Schmidt und Ernst Ney, Vorsitzender der
Bundespressekonferenz.

Und drittens kam es unserem ersten Gast, Bundeskanzler Konrad Adenauer, sehr entgegen, dass er einen Vorwand hatte, seine Absichten zuerst den Hauptstadtkorrespondenten darzulegen und sich nicht den Erwartungen der Hohen Kommissare zu fügen. Deutschland war nicht vollständig souverän, aber Adenauer, der »alte Fuchs«, erkannte sofort, wie wichtig die BPK für ihn war, um in aller Öffentlichkeit seine Unabhängigkeit klar zu machen. Die Alliierten wollten doch Pressefreiheit in Deutschland, konnte Adenauer argumentieren. Und das bedeute doch, dass die Presse die Freiheit haben müsse, selbst zu Pressekonferenzen einzuladen, und da könne er ja unmöglich bestimmen, welche Fragen gestellt werden, und habe eben alle zu beantworten.

Bundeskanzler Konrad Adenauer (rechts) mit Regierungssprecher Karl-Günther von Hase bei einer Bundespressekonferenz nach seiner Rückkehr aus Paris. Einen Tag zuvor, am 22. Januar 1963, haben Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle den Elysée-Vertrag in Paris unterzeichnet.

Über die Kanzlerbesuche und die regelmäßigen Pressekonferenzen mit dem Regierungssprecher entwickelte sich sehr schnell die Praxis, dass sich mit ihm die Sprecher aller Ministerien drei Mal in der Woche allen unseren Fragen stellen. Auch diese Tradition, die uns weltweit einmalig macht, geht nun ins siebte Jahrzehnt. Beinahe ebenso alt ist unser Bundespresseball, mit dem wir seit den frühen 50er-Jahren einmal im Jahr unseren Gästen Danke sagen dafür, dass sie an der gelebten Pressefreiheit mitwirken und sich übers Jahr so manches Mal von uns »grillen« lassen.

Neben diesem Kerngeschäft pflegen wir die Einladung an Minister, Parteien, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, Kirchen, NGOs und viele andere, die für die politische Berichterstattung über die Bundespolitik wichtig sind. Wir passen das alles mit Augenmaß dem Wandel in Politik, Medien und Gesellschaft an. Wir tun das behutsam, machen nicht jede Modewelle mit, damit wir uns nicht mit ihr schnell überleben und wie von gestern erscheinen. Aber wir stehen fest zu unseren Prinzipien, die auf diese Weise jung und frisch bleiben, sodass uns viele Kollegen rund um den Globus darum beneiden. Deswegen haben wir allen Grund, beim Bundespresseball auch mal auf unseren runden Geburtstag anzustoßen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz in der BPK (von links nach rechts: Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, Angela Merkel, Gregor Mayntz, Vorstandsvorsitzender der Bundespressekonferenz).

Von Dr. Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz

Wir danken der Bundesbildstelle des Presse- und Informationsamtes für die Bereitstellung der hier gezeigten Aufnahmen.

27. August 2019
Ein Preis als Zeichen

Der polnische Journalist Jacek Lepiarz wird in diesem Jahr mit dem Preis der Bundespressekonferenz geehrt.

Jazek Lepiarz erhält beim Bundespresseball den Preis der Bundespressekonferenz für das Jahr 2019. Der 65-Jährige ist nicht nur ein geschätzter Kollege, der mit seinen Fragen wie viele andere Mitglieder des Vereins der ausländischen Presse (VAP) zum Funktionieren der BPK beiträgt, er hat auch viel zum Verständnis der Deutschen von Polen und der Polen von Deutschland beigetragen.
Lepiarz freut sich, den Preis stellvertretend auch für viele Kolleginnen und Kollegen entgegennehmen zu können, die unter dem zunehmenden Druck der Regierungen in einer ganzen Reihe von Ländern Europas zu leiden haben und die Unabhängigkeit der Berichterstattung gefährdet sehen. Insofern soll der Preis in diesem Jahr auch ein besonderes Zeichen sein.

Weil er wissen wollte, was hinter dem Mord an seinem Großvater stand, sah sich Lepiarz als junger Student in seiner Entscheidung bestätigt, Deutsch zu lernen. Wie kam es zu den Massenmorden an polnischen Offizieren, zu denen auch Hauptmann Jan Papierski gehörte? Welche Rolle spielte der Hitler-Stalin-Pakt? Er war an der Uni in Warschau für Studenten im Original in Deutsch zugänglich. Und Lepiarz studierte.

Jacek Lepiarz, Foto: Florian Gaertner/ photothek.net

Bei der deutschen Botschaft in Warschau fand er eine erste Anstellung, arbeitete mit an der Erstellung der täglichen Presseschau und aktuellen Analysen, und über die Beschäftigung als Producer im ARD-Studio bekam er weitere Kontakte zum deutschen Journalismus. Als Ergebnis konnte er bei Renate Marsch im Warschauer dpa-Büro beginnen. »Eine fantastische Chefin«, schwärmt Lepiarz noch heute.

1999 wechselte er nach Berlin – und die Perspektive. Nicht mehr für Deutsche aus Polen, sondern für Polen aus Deutschland berichtete er nun im Auftrag der Polska Agencja Prasowa (PAP). Und war stets vorne dabei. Acht Jahre später wieder Perspektivwechsel. Nun übernahm er das dpa-Büro in Warschau, hielt die Deutschen über die Vorgänge in Polen auf dem Laufenden.

Der erneute Wechsel Ende 2012 nach Berlin, wieder zur PAP, sollte nach seiner Vorstellung eigentlich sein letzter sein. Lepiarz hatte längst einen guten Namen in beiden Ländern. Doch dann errang die PiS, die Partei Recht und Gerechtigkeit, die Mehrheit und begann damit, die staatlichen Medien personell und inhaltlich umzubauen. Lepiarz betont, dass er selbst bis zum Schluss alles habe schreiben können. Doch im Umfeld wechselten die Personen, verstärkten sich die Vorgaben, mehr entlang der »polnischen Staatsräson« zu berichten. Und als Quelle durchaus auch mal Steve Bannon und seinen Breitbart-Kanal zu nutzen.

»Ich will nicht Teil dieses Konglomerates sein«, sagte sich Lepiarz. Und ganz konkret:
»Mein Name soll nicht für diese Veränderung der öffentlichen Medien in Polen stehen.
«Sicherlich hätten auch zuvor schon alle Regierungen versucht, Einfluss auf die öffentlichen Medien zu nehmen, aber »keine derart hemmungslos wie diese«, erläutert Lepiarz. So stand sein Entschluss fest, der PAP den Rücken zu kehren und auf den letzten Metern bis zum Ruhestand sein journalistisches Know-how der Deutschen Welle zur Verfügung zu stellen.

Von Dr. Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz

27. November 2018
Austern und Currywurst – so feiert die Polit- und Medienprominenz beim 67. Bundespresseball

Der deutsche Auslandssender Deutsche Welle war Medienpartner beim Bundespresseball am 23. November 2018 im Berliner Hotel Adlon Kempinski und hat in einer Sondersendung über das wichtigste gesellschaftliche Ereignis in der deutschen Hauptstadt berichtet.

In einem 12-minütigen Feature (deutsch/englisch) begleitet die DW hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur durch den Ballabend und berichtet mitten aus dem Geschehen. Die Reporter des Kultur- und Lifestyle-Magazins „Euromaxx“ stehen beim traditionellen Eröffnungswalzer von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der ersten Reihe und interviewen Politiker, Prominente und Journalisten. Außerdem werfen die Reporterinnen Andrea Bickerich und Mirja Viehweger einen Blick hinter die Kulissen.

Ein Blick hinter die Kulissen

Sie sprechen mit den Organisatoren des Mega-Events und Stephan Eberhard, dem Küchendirektor im Hotel Adlon Kempinski. Er hat das Food-Konzept für die Ballnacht entwickelt. Für die Flaniergäste gibt es Delikatessen wie Austern mit Geschmacksperlen, edle Beilagen wie Champagner-Rahmkraut, aber auch die berühmte Adlon-Currywurst. „Kaleidoskop“ ist das Motto des diesjährigen Bundespresseballs, der zum vierten Mal in dem traditionsreichen Luxushotel gefeiert wird, und entsprechend farbenfroh sind auch die kulinarischen Buffets gestaltet – vor allem die Desserts.

Zeitreise in die Bonner Republik

Bunt sind auch die Abendkleider der Gäste und bunt ist auch die Palette der Themen, über die Politiker und Journalisten an diesem Abend jenseits des Alltagsgeschäfts unterhalten. Seit 67 Jahren ist der Bundespresseball ein wichtiger Termin für viele Politiker und Parlamentskorrespondenten. Deshalb können sich die Zuschauer und Online-Nutzer auch auf eine kleine Zeitreise freuen. Bis 1998 fand der Bundespresseball in Bonn statt, seit 1999 wird er in Berlin gefeiert. Zuerst im Hotel InterContinental, dann im ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof und seit 2015 im Hotel Adlon Kempinski am Brandenburger Tor.

Das Kultur- und Lifestylemagazin „Euromaxx“

Das Team der DW-Redaktion „Euromaxx“ berichtet seit 2014 über den Bundespresseball. Europa in seiner Vielfalt und Faszination – das zeigt die Sendung „Euromaxx – Leben und Kultur in Europa„. Sechs Mal pro Woche bietet das DW-Magazin aufregende Einblicke in die europäische Kultur und Lebensart: Je 26 Minuten mit interessanten Reportagen, Berichten und Porträts.

Daneben setzen Rubriken und Serien Schwerpunkte: „Euromaxx ambiente“ zum Beispiel stellt einmal pro Woche architektonisch interessante Wohnungen und Häuser vor. Bei der „Euromaxx extratour“ bestimmen Zuschauer aus der ganzen Welt die europäischen Reiseziele, die in der Sendung vorgestellt werden. In der Serie „50 Küchen, eine Heimat“ geht es auf eine kulinarische Weltreise durch Berlin. Einmal wöchentlich zeigt „Euromaxx“ Porträts von Köchen und Gastronomen, die in ihren Restaurants besondere Gerichte aus ihren Heimatländern auftischen.

„Euromaxx“ kommt direkt aus dem Herzen der deutschen Hauptstadt: Das Magazin sendet aus einem hochmodernen Studio in Berlin mit einem modischen und innovativen Design, einer Mischung aus realer Dekoration und Augmented Reality.

Mit „Euromaxx“ produziert die DW als erster Fernsehsender überhaupt ein vollwertiges Fernsehmagazin, das über Lebensart und Kultur in Europa berichtet. Damit präsentiert das deutsche Auslandsfernsehen den Zuschauern in aller Welt das moderne Deutschland als Teil des sich vereinenden Europas und unterstreicht einmal mehr seine Mittlerfunktion im internationalen Dialog.

Ein Feature vom Bundespresseball

Die schönsten Ball-Momente, die besten Outfits und die interessantesten kulinarischen Kreationen: Das 12-minütige Feature in den Sendesprachen Deutsch und Englisch zeigt die Highlights des 67. Bundespresseballs.

Die weitere Berichterstattung finden Sie hier auf Deutsch und auf Englisch.

27. Oktober 2018
Dürfen Ballroben bunt sein?

Oh ja, sie sollen sogar. Wir sagen: Nieder mit der Dauervernunft und dem ewigen Schwarzgraudunkelblau! Ein Plädoyer für mehr Mode-Mut und Spaß bei der Farbwahl.

„Was ziehe ich bloß an?“ Die Dame, die demnächst auf einen Ball geht, macht sich natürlich so ihre Gedanken. Der galante Ballbegleiter hat es da leichter: großer Gesellschaftsanzug, schon steht das Outfit. Die Sache mit dem Kleid ist indes verzwickter. Die Dame will schließlich nicht zu sehr auffallen. Aber auch nicht als Mauerblümchen durchgehen. Sophisticated wirken wäre schön, souverän sowieso! Also schwarz. Oder dunkelblau. Damit macht sie nichts falsch. Denkt sie.

Modisch sind wir heute in einem merkwürdigen Konsens angekommen: Bloß nicht zu viel Inszenierung, wenn es um die Garderobe geht. Bloß nicht anecken, aus dem Rahmen fallen. Zurückhaltung, bitte! Irgendwie schade. „Gedeckte Farben haben unseren Alltag übernommen: Autos sind anthrazit, unsere Alltagskleidung blau, sogar Kinderwagen sind zunehmend in neutralen Tönen gehalten. Dabei sind große Events wie der Bundespresseball für Frauen eine Gelegenheit, endlich wieder Mode-Mut an den Tag zu legen und zwischen den befrackten Männern hervorzustechen“, sagt Henriette Kuhrt, Stil-Kolumnistin der NZZ am Sonntag. Sie fordert: „Schluss mit der Dauervernunft, Seriosität und Unangreifbarkeit, die einem ein dunkles Kleid vermittelt – bunte Roben stehen für Glamour, Weiblichkeit und Lebenslust!“ In der Tat: Die Herren erscheinen ja fast uniformiert, sie lassen den Damen den Vortritt. Frauen mit ihren Roben sind auf einem Ballgeschehen die Hauptattraktion. Aber wie soll das gehen, ganz in grau oder schwarz?

„Viele vergessen, dass bunte Kleidung das Gesicht ganz anders in Szene setzt. Man sieht gleich viel gesünder und besser gelaunt aus. Und: Farbe streichelt die Persönlichkeit“, sagt Daniel Wingate, Modeschöpfer aus München. Der gebürtige US-Amerikaner hat u.a. für Strenesse und Hugo Boss entworfen, bei Escada war er lange Chefdesigner. Seit einem Jahr kreiert er für sein eigenes Label Wingate. „Dunkle Töne geben Sicherheit und lassen die Trägerin häufig dünner wirken. Aber Schwarz ist für mich wenig feminin und eher etwas für eine Beerdigung. Bei einem Ball feiert man doch das Leben!“ Wingate plädiert für mehr Freude an der Weiblichkeit. Denn gute Schnitte schmeicheln jedem Frauenkörper und allen Größen. Seine Kollektionen sind ein Beweis dafür. Und wer ein außergewöhnliches Kleid trägt, strahle gleich mehr Stolz und ein gewisses Standing aus. „Ein vom Schnitt her banales Kleid kann mit einer tollen Farbe eine unglaubliche Wirkung entfalten. Ein banaler Schnitt in schwarz ist tatsächlich einfach nur banal“, sagt der Designer.

Also: Mut tut gut! Raus aus der Comfortzone, weg vom Immergleichen. Und mehr Spaß an Mode, am Experimentieren. Angst vor einem Fashion-Fettnapf? Bracht es nicht. Denn: „Wenn das Kleid gut sitzt und aus einem eleganten Material besteht, kann nichts schief gehen. Ich würde nur von den pastelligem Eiskunstlauf-Polyester-Bomben mit Stickereien abraten“, sagt Stil-Expertin Henriette Kuhrt. Auf der anderen Seite: Ist nicht fast alles besser, als auf so einem Höhepunkt des gesellschaftlichen Kalenders bieder zu erscheinen? Übrigens gibt es ein deutliches Indiz dafür, dass die Ära der Zurückhaltung in der Mode nun zu Ende geht. Im Juni gab die italienische Marke Bottega Veneta nach 17 Jahren die Trennung von ihrem Designer Tomas Maier bekannt. Der hatte Legenden wie die handgeflochtenen Cabat-Taschen aus Leder geschaffen. Die Weltmarke stand für schlichte Eleganz und Diskretion. Ein Logo auf den Taschen? Fehlanzeige. Knallige Farben? Niemals. Jetzt also ein Kurswechsel. Es muss krachen, um mit Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga mithalten zu können.

Also die Damen, es wäre hinreißend, wenn Sie keine Lust mehr dazu hätten, durch Verzichtsästhetik zu punkten. Sie sind schon fast überzeugt? Na gut, ein letztes Argument hat Henriette Kuhrt noch: „Viele Designer sind dazu übergegangen, Farben einzusetzen, weil sie besser auf dem Bildschirm wirken – nach dem Motto ‚The screen has to scream‘. Wenn Sie sich hinterher auf Instagram oder in der Presse wiederfinden wollen, dann haben Sie mit einem farbigen Kleid eindeutig bessere Chancen.“

Von Kira Brück

25. November 2016
65 Jahre Bundespresseball

Vom ersten „Presse- und Funkfest“ im Bundeshaus in Bonn bis zum feierlichen 65. Bundespresseball im Hotel Adlon Kempinski. Ein Rückblick von Sönke Petersen, erschienen im GLANZ Magazin 2016.

Neugierig? Hier können Sie einmal ausführlich durch die letzten Jahrzehnte der Bundespresseball-Geschichte reisen…

Foto: Bundesregierung/Munker 1955