Magazin

des Bundespresseballs

Willkommen im Online-Magazin des Bundespresseballs. Erfahren Sie Wissenswertes und schauen Sie hinter die Kulissen des glamourösesten Ballevents des Jahres.


Der Bundespresseball 2019 war klimaneutral.

Erstmals wurden alle CO2-Emissionen des Balls kompensiert. Berücksichtigt wurden u. a. die Anreise der Gäste, die Anlieferungen von Möbeln, Getränken und Speisen sowie der Energieverbrauch des Hotels Adlon Kempinski während der Veranstaltung.

Weitere Informationen können Sie hier nachlesen.

Darüber hinaus bemüht sich der Bundespresseball auch um die Reduzierung von schädlichem Plastikmüll.

  • Durch den Einsatz von wiederverwendba­ren Glastrinkhalmen des Berliner Start-ups HALM werden rund 20.000 Einweg-Plastiktrinkhalme an einem Ballabend eingespart.
  • Die Einlassbändchen für alle Gäste werden aus recycelten PET-Flaschen hergestellt.
  • Der Rote Teppich des Bundespresseballs besteht aus recycelten Plastikabfällen, gefertigt von OBJECT CARPET. Das deutsche Unternehmen ist Partner der Initiative Healthy Seas, welche sich der Bergung von Meeresmüll und dessen nachhaltiger Verwertung widmet. Bis zu 640.000 Tonnen ausgediente Fischernetze werden jährlich ins Meer geworfen und gefährden Fische, Meeressäuger und Korallenriffe.

Wilde Weine

Auf dem Bundespresseball 2019 wurden erstmals Weine aus Sachsen und Sachsen-Anhalt ausgeschenkt. Der Weinanbau in den neuen Bundesländern hat sich seit der Wende stark gewandelt. Ein Ausflug in die Weingeschichte des Ostens.

Weine aus Ostdeutschland hatten lange Zeit keinen guten Ruf. »Zu süß, zu sauer, zu ausdruckslos: So kann man bis auf wenige Ausnahmen das Image des ostdeutschen Weins zur Wende zusammenfassen«, sagt Prof. Dr. Rainer Beck vom Weingut DREI HERREN aus Radebeul in Sachsen. Der Kunsthistoriker und emeritierte Professor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden hat das Wein- und Kunstgut DREI HERREN im September 2004 mit gegründet und komplett neu aufgebaut. »Auch heute wissen leider immer noch die wenigsten, dass in Ostdeutschland ganz exzellente Weine angebaut werden. Dabei haben wir allein in Sachsen eine Weinbautradition, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht«, so Beck weiter. Nach Angaben des Sächsischen Weinbauverbandes beträgt die Weinanbaufläche in Sachsen 492 Hektar. In der Saale-Unstrut-Region werden laut dem lokalen Weinbauverband 754 Hektar bewirtschaftet. Zum Vergleich: Allein die Pfalz hat 23.000 Hektar. »Wir sind keine Konkurrenz«, sagt Andre Gussek vom Winzerhof Gussek in Naumburg in Sachsen-Anhalt. »Unsere Weine haben regionale Bedeutung. Was mittlerweile ein großer Vorteil für uns ist: Seit vielen Jahren setzt die Gastronomie und Hotellerie verstärkt auf regionale Produkte. Dazu gehört in besonderer Art der Wein«, so Gussek weiter.

Dass Weine aus der ehemaligen DDR heute mit Preisen und »Gault-Millau-Trauben« ausgezeichnet werden, ist für viele noch immer überraschend. Professioneller Weinbau hatte in der DDR keine besonders hohe Priorität. Insgesamt gab es damals nur vier Kellereien, in denen Trauben wirklich verarbeitet wurden. In allen anderen Kellereien wurden ausschließlich fertige Weine abgefüllt. »95 Prozent des getrunkenen Weines in der DDR kamen vom Balkan, teilweise wurden aber auch italienische und spanische Weißweine oder algerische Rotweine eingeführt und mit Zucker versetzt. Süßer Wein war sehr beliebt in der DDR«, erläutert Gussek, der lange als Kellermeister beim Staatsweingut in Naumburg, dem heutigen Landesweingut Kloster Pforta, gearbeitet hat. »Trockene Weine waren zu DDR-Zeiten eine große Rarität. Der Anteil der eigenen sächsischen oder Saale-Unstrut-Weine lag in der DDR bei nur fünf Prozent. Das war Bückware. Die Flaschen bekam man nur, wenn man jemanden kannte, der sie unter dem Ladentisch hortete«, sagt Andre Gussek.

Dabei überzeugen die Trauben und Weine, die seit jeher im Elbland und in der Saale-Unstrut-Region angebaut werden, mit ganz besonderen Eigenschaften. »Die Charakteristik unserer Weine – spritzig, feinfruchtig, mineralisch – liegt in den Böden und dem Klima. Insbesondere in Sachen Mineralität können uns andere Gebiete in Deutschland nur schwer das Wasser reichen«, sagt Prof. Dr. Rainer Beck. Andre Gussek ergänzt: »Wir haben hier ein eher kontinentales Klima. Unsere Sommer sind heiß und trocken, aber wir haben auch kalte Winter. Deshalb sind unsere Erträge von Natur aus geringer. Aber wir bekommen so auch eine ziemlich gute Qualität, weil die Trauben sehr konzentriert und sehr reif sind.

Mit der Wende kam dann auch der Wandel. »1989 hieß es bei uns nicht wilder Westen, sondern wilder Osten«, erinnert sich der gebürtige Hallenser Gussek. »Damals herrschte ein totaler Umbruch: gesellschaftlich, politisch und vor allem wirtschaftlich. Ein regelrechtes Gründerfieber war ausgebrochen – gerade auch im Weinbau«, so Gussek weiter. Heute haben Weine aus dem wilden Osten einen festen Platz in der deutschen Weinlandschaft – und feiern 30 Jahre nach der Wende ein feines Debüt beim 68. Bundespresseball.

Von Judith Pfaller

 

Über den WINZERHOF  GUSSEK
Andre Gussek begann schon während seiner Tätigkeit im DDR-Staatsweingut, sich in Naumburg sein eigenes Weingut aufzubauen. 1992 erntete er seinen ersten Jahrgang. Heute beliefert der Winzerhof Gussek Gourmet-Restaurants, aber auch Hotels wie das Hilton in Berlin.

Über das WEINGUT DREI HERREN
Das Wein- und Kunstgut DREI HERREN lässt eines der ältesten und traditionsreichsten Weinhäuser Sachsens, das Radebeuler Gut Hermannsberg, neu aufleben. Kellerphilosophie ist das »kontrollierte Nichtstun«, das heißt kein schnelles »Trinkfertig-Machen« der Weine, sondern aufmerksame Begleitung ihrer Entwicklung mit schonendsten Methoden und ohne manipulative Eingriffe.

Die Verwandlung

Für den Bundespresseball wird fast das gesamte Hotel Adlon Kempinski umgebaut – eine logistische Meisterleistung.

Spätestens wenn mitten in der Nacht die Möbelwagen vorfahren, bricht es bei den Mitarbeitern des Hotels Adlon Kempinski aus: das Bundespresseball-Fieber. Ähnlich einer Theaterkulisse werden alle öffentlichen Räume komplett verwandelt. Strippenzieher sind Hotelmanager Carsten Seubert und sein Kernteam. Für den 39-Jährigen geht es nach jedem Bundespresseball in die Planung für den nächsten. Die heiße Phase beginnt zwei Tage vor der Veranstaltung. Nämlich dann, wenn das komplette Hotel ballfein gemacht wird. »Wir planen minutiös, denn die Verwandlung passiert im laufenden Betrieb. Schließlich müssen wir für unsere Gäste, die nicht am Ball teilnehmen, alternative Locations schaffen, in denen sie ihren Kaffee trinken können«, sagt Carsten Seubert. 100 Mitarbeiter sind in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit dem Umbau beschäftigt. Konkret sieht das so aus: Möbel in die Umzugswagen, um Platz zu machen für die verschiedenen Gewerke der Eventagentur Kaluza + Schmid, die bereits seit 2004 für das komplette Balldesign verantwortlich ist. Viel Zeit bleibt nicht: Am Freitagmittag kommen die Sicherheitsbeamten des Bundeskriminalamtes zur Abnahme. Die Feuerwehr prüft die Fluchtwege, Hunde laufen das gesamte Hotel ab.

Auch während des Balls pausiert die Verwandlung nicht. Weil am nächsten Morgen die Gäste ihr Frühstück in der Bel Étage einnehmen werden und die Lobby für das Tagesgeschäft wieder herausgeputzt sein muss, werden die Ballkulissen abgebaut, während viele Gäste erst mit dem Tanzen beginnen. Gegen zwei Uhr nachts zieht dann die Garderobe mit ihren rund 2.000 Kleidungsstücken in den Wintergarten um. Für die Ballgäste ist der vordere Bereich des Adlon dann nicht mehr zugänglich. Hier heißt es: Bars, Roter Teppich, Pressewände raus, reinigen, Möbel wieder aufstellen. Ganz so, als wäre nichts gewesen. »Mit extremen Umbauten sind wir erfahren wie vielleicht kein anderes Hotel. Vor allem der Bundespresseball sprengt alle Dimensionen, weil wirklich das komplette Hotel vereinnahmt wird. Das macht dann aber auch die besondere Atmosphäre einer Ballnacht aus«, sagt Carsten Seubert.

Es sei eben nicht egal, wo der Ball stattfinde. Das Adlon sei schließlich als Nummer eins am Platz gebaut worden. »Noch heute ist unser Anspruch, das beste Hotel Berlins zu sein. Das sollen die Gäste in Bezug auf Kulinarik und Service spüren«, sagt der Hotelmanager. Er selbst liebe die Stimmung kurz vor dem Ball. Alle 460 Mitarbeiter sind mit Begeisterung dabei – auch Kollegen aus der Verwaltung unterstützen das Adlon-Team am Ballabend, zum Beispiel an der Bar. Es ist das Bundespresseball-Fieber! Für jeden seiner Mitarbeiter sei es etwas ganz Besonderes, diese Nacht mitzuerleben. Vielleicht auch, weil ihr Hotel sich dann völlig verwandelt hat.

Von Kira Brück

Wie gut kennen Sie die Bundespressekonferenz?

Testen Sie Ihr Wissen aus 70 Jahren Bundespressekonferenz! Entdecken Sie dabei überraschende Fakten, interessante Anekdoten und einen Witz des Bundeskanzlers...

QUIZFRAGEN

  1. Gegründet wurde die BPK in Bonn am 11. Oktober 1949. Welcher deutsche Journalist und ehemalige Offizier übernahm als erster den Vorsitz?

    a) Irnfried Freiherr von Wechmar
    b) Dr. Karl Lohmann
    c) Dr. Franz Rodens

  2. Pressekonferenz mit dem Bundeskanzler, der auf die Frage nach den letzten Wahlen mit einem Witz antwortet: „Hein fragt den Fietje: ‚Wat hest Du denn wählt Sündag?‘ Sagt Fietje: ‚Weest Du, ick hev CDU ’wählt. Man müt den mal een op’n Deckel gebn.‘ Da fragt Fietje den Hein: ‚Wat hest denn Du ’wählt?‘ ‚Ick hev SPD ’wählt.‘ Darauf Fietje: ‚Ach, Du werst dat‘.“ Wer sorgte laut Protokoll für Heiterkeit im Saal?

    a) Willy Brandt
    b) Helmut Schmidt
    c) Gerhard Schröder

  3. Unverwechselbar und für viele ein Markenzeichen der alten BRD: Das war die Wand im Saal der BPK im Pressehaus in Bonn. Aus welchem edlen Holz waren die quadratischen Paneele gemacht?

    a) Mahagoni
    b) Ebenholz
    c) Palisander

  4. Wie viele Frauen standen an der Spitze der Bundespressekonferenz?

    a) 0
    b) 1
    c) 3

  5. Die Pressekonferenz welches Bundeskanzlers war die längste Kanzler-PK in der Geschichte der BPK?

    a) Konrad Adenauer
    b) Gerhard Schröder
    c) Helmut Kohl

  6. Das Pressehaus in Bonn, in dem bis zum Umzug der BPK 1999 nach Berlin rund 10.000 Pressekonferenzen stattfanden, ist bis heute Teil eines bekannten Gebäudeensembles im ehemaligen Bonner Bundesviertel. Es liegt im …

    a) Rosarium
    b) Tulpenfeld
    c) Dahlienrondell

 

Hier finden Sie die ausführliche Auflösung des Quiz, inklusive weiterer Informationen zu den einzelnen Fragen.

Foto: Bundesregierung/Ludwig Wegmann 1988

Die Bundespressekonferenz im Wandel der Zeit

Jung und frisch und siebzig: Ein Text zum 70-jährigen Bestehen, erschienen im GLANZ Magazin 2019.

Als wir im Mai 70 Jahre Grundgesetz zum Anlass nahmen, die freiheitlichste Verfassung auf deutschem Boden zu analysieren, und die wesentlichen Elemente herausarbeiteten, die Deutschland eine derart stabile Demokratie gebracht haben, da spielte Artikel 5 mit der garantierten Meinung und Pressefreiheit neben der Menschenwürde und der Gleichheit vor dem Gesetz eine herausragende Rolle.

Das Gelingen dieser deutschen Demokratie hängt auch und vor allem damit zusammen, dass die Vorgaben dieser Verfassung immer wieder mit Leben gefüllt worden sind. In besonderer Weise gilt das für Artikel 5 und die Bundespressekonferenz. Diese weltweit einmalige Institution ist wiederholt und sehr zu Recht als »gelebte Pressefreiheit« bezeichnet worden.

Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung (hinten Mitte), und Sprecherinnen und Sprecher der Ministerien bei einer Regierungspressekonferenz für Bürgerinnen und Bürger 2018. Die Pressekonferenz leitet BPK-Vorstandsmitglied Tim Szent-Iványi (rechts neben Steffen Seibert). (Bundesregierung/Henning Schacht 2018)

Wir Hauptstadtkorrespondenten haben uns vor 70 Jahren in Bonn zusammengeschlossen, um selbst Pressekonferenzen zu veranstalten, selbst die Regeln zu bestimmen und allen Mitgliedern dieselben Möglichkeiten zu geben, an Informationen zu kommen. Vielleicht wird das Besondere dieser Entscheidung noch deutlicher, wenn wir die weltweit gängige Praxis mit Fragen skizzieren. Warum ist es als Teil der Pressefreiheit überall akzeptiert, dass allein die Regierung entscheidet, ob sie eine Pressekonferenz abhält, wann sie sie macht, wen sie dazu einlädt, wem sie das Fragerecht einräumt, wer bei Nichtbeantworten Nachfragen stellen darf und wann die Pressekonferenz zu Ende ist? Diese sechs Umstände bilden sozusagen eine Einladung, im Zweifel keine Pressekonferenz auszurichten, wenn die Lage ungünstig ist, Journalisten »zufällig« nicht einzuladen oder ihre Wortmeldungen zu übersehen, wenn sie unangenehme Fragen haben könnten, auf Nachfragen dann schon gar nicht einzugehen und die Pressekonferenz zu beenden, wenn die Lage sich ungünstig entwickelt.

Dass es bei uns vor 70 Jahren gänzlich anders und mit fortwirkendem Erfolg auf die Schiene gesetzt werden konnte, hat vor allem mit drei Besonderheiten zu tun. Erstens: In Deutschland gab es bereits Erfahrung mit selbst organisierten Pressekonferenzen; noch in den letzten Tagen des Kaiserreiches hatten unsere Vorgänger das auf den Weg gebracht, und die Berliner Pressekonferenz hatte die gesamte Weimarer Republik über funktioniert, bis sie von den Nationalsozialisten zweckentfremdet wurde. Zweitens: Es war ein Neuanfang in Bonn; als die Korrespondenten an die Gründung der Bundespressekonferenz gingen, gab es noch kein Bundespresseamt. Die Kollegen wussten, dass sie es selbst in die Hand nehmen mussten, wenn sie schnell an präzise Informationen kommen wollten.

Pressekonferenz im Saal der Bundespressekonferenz im Tulpenfeld in Bonn: (Hinten an den Mikrofonen von links:) Regierungssprecher Klaus Bölling, Bundeskanzler Helmut Schmidt und Ernst Ney, Vorsitzender der Bundespressekonferenz. (Bundesregierung/Detlef Gräfingholt 1979)

Und drittens kam es unserem ersten Gast, Bundeskanzler Konrad Adenauer, sehr entgegen, dass er einen Vorwand hatte, seine Absichten zuerst den Hauptstadtkorrespondenten darzulegen und sich nicht den Erwartungen der Hohen Kommissare zu fügen. Deutschland war nicht vollständig souverän, aber Adenauer, der »alte Fuchs«, erkannte sofort, wie wichtig die BPK für ihn war, um in aller Öffentlichkeit seine Unabhängigkeit klar zu machen. Die Alliierten wollten doch Pressefreiheit in Deutschland, konnte Adenauer argumentieren. Und das bedeute doch, dass die Presse die Freiheit haben müsse, selbst zu Pressekonferenzen einzuladen, und da könne er ja unmöglich bestimmen, welche Fragen gestellt werden, und habe eben alle zu beantworten.

Bundeskanzler Konrad Adenauer (rechts) mit Regierungssprecher Karl-Günther von Hase bei einer Bundespressekonferenz nach seiner Rückkehr aus Paris. Einen Tag zuvor, am 22. Januar 1963, haben Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle den Elysée-Vertrag in Paris unterzeichnet. (Bundesregierung/Ludwig Wegmann 1963)

Über die Kanzlerbesuche und die regelmäßigen Pressekonferenzen mit dem Regierungssprecher entwickelte sich sehr schnell die Praxis, dass sich mit ihm die Sprecher aller Ministerien drei Mal in der Woche allen unseren Fragen stellen. Auch diese Tradition, die uns weltweit einmalig macht, geht nun ins siebte Jahrzehnt. Beinahe ebenso alt ist unser Bundespresseball, mit dem wir seit den frühen 50er-Jahren einmal im Jahr unseren Gästen Danke sagen dafür, dass sie an der gelebten Pressefreiheit mitwirken und sich übers Jahr so manches Mal von uns »grillen« lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz in der BPK (von links nach rechts: Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, Angela Merkel, Gregor Mayntz, Vorstandsvorsitzender der Bundespressekonferenz). (Bundesregierung/Felix Zahn 2018)

Neben diesem Kerngeschäft pflegen wir die Einladung an Minister, Parteien, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, Kirchen, NGOs und viele andere, die für die politische Berichterstattung über die Bundespolitik wichtig sind. Wir passen das alles mit Augenmaß dem Wandel in Politik, Medien und Gesellschaft an. Wir tun das behutsam, machen nicht jede Modewelle mit, damit wir uns nicht mit ihr schnell überleben und wie von gestern erscheinen. Aber wir stehen fest zu unseren Prinzipien, die auf diese Weise jung und frisch bleiben, sodass uns viele Kollegen rund um den Globus darum beneiden. Deswegen haben wir allen Grund, beim Bundespresseball auch mal auf unseren runden Geburtstag anzustoßen.

Von Dr. Gregor Mayntz

Wir danken der Bundesbildstelle des Presse- und Informationsamtes für die Bereitstellung der hier gezeigten Aufnahmen.

 

ÜBER DEN AUTOR
Dr. Gregor Mayntz war von März 2011 bis März 2020 Vorsitzender der Bundespressekonferenz. Der Journalist berichtet als Parlamentskorrespondent für die Rheinische Post.

Mühsamer Anfang in Bonn

Als die Bundespressekonferenz gerade erst gegründet wurde, Unterkünfte für Journalisten rar und Informationen schwer zu beschaffen waren. Von Werner Gößling, erschienen im GLANZ Magazin 2016.

Am Freitag, dem 23. September 1949, kommt der 20jährige Jürgen Lorenz nach Bonn. Eine Woche zuvor hat die erste Regierung Adenauer ihre Arbeit aufgenommen. Für den Deutschen Zeitungsdienst, der bundesweit Heimatzeitungen beliefert, soll er aus der vorläufigen Bundeshauptstadt Berichte und Kommentare schreiben. Doch vorher gilt es unerwartete Hindernisse zu überwinden, wie Lorenz sich später erinnert: »Einzug in eine der gerade aufgestellten Pressebaracken. Mit Schreibmaschine, Koffer und US-Klappfeldbett. Darf in diesem Zimmer laut Verlagserlaubnis auch wohnen. Mein Salär (300 DM inklusive Spesen) reicht nicht für eine eigene Bude.«

Als er gerade Anzüge, Wäsche und Liege im Aktenschrank zu verstauen versuchte, wollte ihm ein britischer Kollege sein neues Büro streitig machen, mit der barschen Aufforderung: »Get out of my office!«. Zum Glück für Lorenz lag ein Missverständnis vor, das rasch aufgeklärt werden konnte. Doch bevor er sich von seinem Schrecken erholen konnte, erreichte ihn auch schon der erste Auftrag aus seiner Zentrale, ein Kurzkommentar zum Regierungsbeschluss vom Vormittag. Weil er davon keine Ahnung hatte, klopfte er kurz entschlossen bei seinem Büronachbarn an: »Der, obwohl selbst in Druck, erteilte mir Nachhilfeunterricht. Hab’ das dann einfach aufgeschrieben. Mein erstes Werk als Korrespondent…«, so Lorenz später.

Gleich an seinem ersten Tag als Korrespondent hatte er schon die brisanten Probleme der Anfangszeit hautnah erfahren – die Raumnot, die Schwierigkeit, an Informationen zu kommen, und das Verhältnis der Journalisten untereinander.

Kameraleute und Fotografen vor dem Kurhaus während des Staatsbesuchs des französischen Staatspräsidenten (Bundesregierung/Simon Müller 1958).

500 Journalisten aus aller Welt wollten ab Sommer 1949 aus Bonn berichten, es waren aber nur 80 Räume zu vergeben. Und das auch nur, weil man in Bonn schon vorsorglich Bürobaracken gebaut hatte, obwohl die Entscheidung zwischen Frankfurt und Bonn noch gar nicht gefallen war. Mancher Bericht und viele Kommentare entstanden damals im Restaurant, auf den Gängen und in der Lobby des Bundeshauses. Dort arbeitete man oft Seite an Seite mit den Abgeordneten, von denen viele anfangs auch ohne eigenes Büro auskommen mussten.

Ähnlich die Wohnmöglichkeiten im stark ausgebombten Bonn: Zimmer in Hotels und Pensionen waren rar und für die meisten zu teuer, die noch vorhandenen Wohnungen überbelegt. Wer Glück hatte, konnte als Untermieter »möbliert wohnen«. Für manchen hieß das, nachts auf dem Wohnzimmersofa zu schlafen. Fides Krause-Brewer, später langjährige ZDF-Korrespondentin, und ihr Mann, damals Mineralöl-Lobbyist, wohnten anfangs so beengt, dass ihre kleine Tochter noch ein Jahr bei der Oma in Bayern bleiben musste, bis sich in Bonn eine größere Wohnung fand.

Beschwerlich auch die Suche nach Informationen. Deshalb besannen sich die berufserfahrenen Korrespondenten auf die Praxis in der Weimarer Republik. Nach dem ersten Weltkrieg hatten sich Journalisten der bedeutenden Tageszeitungen in der Berliner Pressekonferenz zusammengeschlossen, um Politiker, Regierungsbeamte und andere Repräsentanten, von denen Informationen mit Nachrichtenwert zu erwarten waren, unter eigener Regie befragen zu können.

In dieser Tradition hatten sich bereits 1948 die Korrespondenten in Frankfurt bei der dortigen Wirtschaftsverwaltung für die Westzonen organisiert. Als die Aufgaben dieses Wirtschaftsrats ein Jahr später auf das neue Bundeswirtschaftsministerium in Bonn übergingen, wechselten auch die meisten Berichterstatter an den Rhein – und beförderten die Gründung der Bundespressekonferenz (BPK).

Bei der Premiere am 11. Oktober 1949 stand neben Wirtschaftsminister Erhard auch Kanzler Adenauer höchstpersönlich den Journalisten Rede und Antwort. Dass er ein schwieriges Verhältnis zur Presse hatte, machte er schon bei der Begrüßung deutlich. Die Journalisten betrieben viel zu viel »Nachrichtenjägerei«, beklagte er. Als der amtierende Vorsitzende versicherte, »Wahrheit werde die oberste Richtschnur« der BPK sein, reagierte Adenauer mit dem skeptischen Zwischenruf «Na, na!«. Die Journalisten hatten es mit einem Kanzler zu tun, der sich als Regierungssprecher »einen demokratischen Goebbels« wünschte, wie der Bonner »Hofchronist« Walter Henkels berichtet. Und der CDU-Vorsitzende Adenauer bedauerte es wiederholt, keine schlagkräftigen Parteizeitungen zu haben wie noch in den 20er Jahren. Sein ältester Sohn Konrad sprach später davon, »dass mein Vater allen Ernstes hoffte und glaubte, die deutsche Wirtschaft würde ihm zu seinem 80. Geburtstag eine Zeitung schenken.«

So prominent die erste BPK mit Kanzler und Vizekanzler auch besetzt war, so dauerte es noch einige Jahre, bis die Pressekonferenzen regelmäßig dreimal die Woche mit Sprechern der Regierung und aller Ministerien stattfanden. Selbst die nach Kabinettsitzungen mit Spannung erwartete Pressekonferenz wurde zeitweise durch ein kurzes Kommuniqué ersetzt. Es sei für die Regierungsvertreter »körperlich zu anstrengend«, unmittelbar nach der Kabinettsitzung vor den Journalisten zu erscheinen, ließ das Presseamt 1951 verlauten.

Von Beginn an konnten in Bonn alle deutschen Korrespondenten, die hauptberuflich über Bundespolitik berichten, Mitglied in der BPK werden. Ebenso hatten und haben ihre ausländischen Kollegen Teilnahme- und Fragerecht. Alles, was dort gesagt wird, ist öffentlich, für jeden Hauptstadtkorrespondenten verwendbar. »Wir sind doch kein exklusiver Club« – dieses Zitat eines ehemaligen BPK-Vorsitzenden wählte Gunnar Krüger 2005 deshalb auch als Titel für sein Buch über die Gründungsgeschichte der BPK.

Den Wunsch, einen exklusiven Club zu gründen, gab es Anfang der 50er Jahre allerdings auch, sowohl bei vielen älteren, namhaften Korrespondenten, als auch in der Politik, vor allem bei Adenauer und seinem Staatssekretär Lenz. Deshalb war man bereit, ein Clubhaus bereit zu stellen und bei der gastronomischen Versorgung zu helfen. Hier konnten die Politiker hinter verschlossenen Türen im offenen Gespräch ihre Positionen erläutern – bei strikter Vertraulichkeit und ohne ausländische Journalisten dabei zu haben. Letztere standen im Ruf, auch vertrauliche Informationen gleich an die damals noch einflussreichen Hohen Kommissare der Siegermächte weiterzugeben.

1952 war es dann soweit, der »Deutsche Presseclub« wurde von sieben Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben, trotz scharfen Protests der Ausländer. Viele deutsche Korrespondenten kritisierten den neuen Club ebenfalls, wegen der Subventionen von Regierungsseite, aber auch wegen seiner Exklusivität, sprich: Aufnahme nur bei Zweidrittel-Zustimmung der Mitglieder. Der Presseclub gilt bis heute als größter Hintergrundkreis in der Bundeshauptstadt. Sowohl die hohen Aufnahmehürden, als auch die Subventionen samt Clubhaus sind allerdings längst Vergangenheit.

Bundeskanzler Ludwig Erhard (M. von hinten) während einer Ansprache auf einem Empfang für den Presseclub im Palais Schaumburg (Bundesarchiv/ Gerhard Heisler 1963).

Aber nicht nur im Presseclub und in der Bundespressekonferenz, auch in vielen kleineren Kreisen wurde von Anfang an Neues und Wissenswertes geboten. Adenauer selbst ließ von ihm geschätzte Journalisten von 1950 an zu Teegesprächen ins Kanzleramt einladen. Von den Kneipenrunden, zu denen sich Politiker und Journalisten trafen, soll der »Wicküler-Stoßtrupp« des späteren Verteidigungs- und Arbeitsministers Blank der informationsreichste gewesen sein.

Auf der täglichen Nachrichtensuche in der Anfangszeit tauchten die Korrespondenten zwischen zehn und elf Uhr morgens vor oder in der Lobby des Bundeshauses auf. Danach streifte man durch Flure und Büros auf der weiteren Suche nach Informationen. Angesteuert wurde dabei auch immer der lange Pressetisch im Bundestagsrestaurant, an dem sich Journalisten mit Abgeordneten trafen, auch Adenauer kam oftmals vorbei. Dort hatte aber auch Bernard Lescrinier seinen Platz, ein Unikum im frühen Bonner Pressecorps. Ab 1929 bei der amerikanischen Agentur UP in Berlin beschäftigt, mehr als Nachrichtenbeschaffer denn als Schreiber, gehörte er zu den wenigen Deutschen, die auch während der Nazi-Jahre für ausländische Medien arbeiten durften.

Nach dem Krieg, am Rande des Parlamentarischen Rats, entwickelte sich zwischen ihm und Adenauer ein Frotzel-Verhältnis (»Wir sind doch beide mal Messdiener gewesen.«) Der gebürtige Godesberger habe sich als einziger Journalist getraut, Adenauer auch zuhause in Rhöndorf anzurufen, »sogar nachts, wenn es denn sein musste«, heißt es in den Memoiren seines damaliger UP-Kollegen und späteren Regierungssprechers Rüdiger von Wechmar. Überliefert sind aber auch heftige, ironische Wortgefechte mit dem Kanzler. Auf die Frage, warum Adenauer ausgerechnet alte Wehrmachtsgeneräle wieder einstellen wolle, antwortete der, er könne die Bundeswehr schließlich nicht von Gewerkschaftssekretären aufbauen lassen.

»Mehr als den Krieg verlieren, Herr Bundeskanzler, können die allerdings auch nicht«, zitiert Walter Henkels die prompte Reaktion Lescriniers. Gelächter bei den Pressekollegen, Adenauer verschlug es kurz die Sprache, was bei dem schlagfertigen Rheinländer selten vorkam.

Von Werner Gößling

Wir danken der Bundesbildstelle des Presse- und Informationsamtes für die Bereitstellung der hier gezeigten Aufnahmen.

Foto: Bundesregierung/Ludwig Wegmann 1963

 

ÜBER DEN AUTOR
Werner Gößling ist seit 1977 Mitglied der Bundespressekonferenz. Insgesamt acht Jahre – von 2003 bis 2011 – war der ehemalige ZDF-Korrespondent Vorsitzender der Bundespressekonferenz.

Faszination Ballkultur

Seit Jahrhunderten gilt ein Ball als Höhepunkt des gesellschaftlichen Kalenders. Doch seit wann treffen wir uns überhaupt zum festlich organisierten Tanz? Und was fasziniert uns heute an ihm?

Es gab eine Zeit, da wurde in Tanzlehrbüchern davor gewarnt, bestimmte Bälle zu besuchen. Tatsache! Die gesundheitlichen Folgen übertriebenen Tanzens könnten nämlich lebensgefährlich sein: Wer sich im schnellen Walzer durch den Raum dreht oder gar den noch schnelleren Galopp tanzt, riskiere zu überhitzen. Daraus folge schnell eine Erkältung, dann eine Lungenentzündung und schließlich der Tod. Im 18. und auch im 19. Jahrhundert war ein Ballbesuch also nicht immer ein Vergnügen, sondern eine Verpflichtung der höfischen Gesellschaft gegenüber dem Herrscher. Wer schwänzte, musste einen Verlust an Ansprüchen in Kauf nehmen. Also erschien man besser. Von einem entspannten Abend konnte aber keine Rede sein: »In den Ballsälen war die Luft schlecht, die Damen sind häufig in Ohnmacht gefallen. Dazu keine adäquaten Tanzböden und unbequeme Schuhe«, sagt Monika Fink, Professorin am Musikwissenschaftlichen Institut der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Innsbruck. Die Expertin forscht seit Jahrzehnten zur Kulturgeschichte des Gesellschaftstanzes. »Das festlich organisierte Tanzen in Form von Bällen ist seit Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Aber die eigentliche zeremonielle Ballkultur entstand ganz eindeutig mit Ludwig XIV. in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. Da hat sich am Hof von Versailles mit Prestigecharakter und Zeremoniell genau das herausgebildet, was in den folgenden Jahrhunderten die Ballkultur ausmachen sollte«, erklärt Monika Fink.

Am Hof von Versailles ging es also los mit der Demonstration von Macht und Prunk. Tanz als Abbildung von Herrschaftsstruktur. Von wegen lässig das Tanzbein schwingen! Die Tänze waren formal geregelt. Es stand strikt fest, wer mit wem wann welchen Tanz tanzt. Und diese Tänze waren immer vorwärts gerichtet – auf das Herrscherpaar zu. Logisch, dass die Ballsäle deshalb rechteckig angelegt waren. »Erst später, als in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts die Rundtänze aufkamen, wurden die französischen Barocktänze langsam in den Hintergrund gedrängt und die Ballsäle quadratisch. Tänze sind immer ein Abbild der Gesellschaft – und das war ein geradezu demokratischer Moment«, sagt Monika Fink.

In Österreich gibt es noch heute eine in der Ballsaison ausgefeilte Ballkultur. »Die Liebe der Österreicher zum Ball kam mit dem Wiener Opernball. Der wurde eigentlich nicht in Wien, sondern in Paris erfunden«, weiß Monika Fink. Dort fanden bereits im 18. Jahrhundert erste ungezügelte Maskenbälle an der Oper statt. Den Wiener Opernball gibt es erst seit 1935. Er war prägend für eine ganze Nation – und wird noch heuteweltweit kopiert. Er enthält alles, was die Ballkultur ausmacht: Zeremonienmeister und Ballordnung, große Roben, Einzug der Debütanten, Walzer, die Einbeziehung der Künstler und eine Mitternachtseinlage.

Auch in Deutschland konnte die europäische Ballkultur bis heute überleben. Der Bundespresseball, der Frankfurter Opernball und der Semperopernball sind drei populäre Beispiele. »Und auch große Fürstenhäuser geben noch heute einen Debütantenball, um ihre Töchter zum 18. Geburtstag in die Gesellschaft einzuführen. Natürlich alles hinter verschlossener  Man verkehrt schließlich unter seinesgleichen«, sagt Linna Nickel. Die Journalistin ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Adel bei Bunte und beobachtet die Szene seit Jahren. »Ein Ball ist ein Schaulaufen der feinen Gesellschaft. Gleichzeitig ist er so etwas wie ein Gradmesser der eigenen Wichtigkeit: Wo stehe ich? Und für den Adel gilt: Paare finden sich auch heute noch gemäß der Tradition auf einem Ball.«

In Paris hat sich über die Jahrhunderte ein Debütantenball der Extraklasse etabliert. Alljährlich findet »Le Bal« statt – Hollywoodstars und Hochadelige präsentieren hier ihre nun erwachsenen Töchter. Teilnehmen darf nur, wer »on Invitation« dazu ausgewählt wurde. Reinkaufen? Keine Chance. 1996 sind sich hier Karl-Theodor zu Guttenberg und seine spätere Gattin Stephanie (geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen) nähergekommen. Legendär ihr Auftritt à la Marie Antoinette in einem Kleid von Christian Lacroix.

Die große Ballnacht – sie hat über die Jahrhunderte nichts an Strahlkraft eingebüßt. »Wenn man so will, erleben wir eine Rückkehr zur Tradition. Neben Hochzeiten ist ein Ball die einzige Gelegenheit, sich richtig schick zu machen sowie Etikette und Höflichkeit walten zu lassen. Der Wunsch nach diesen Werten wird in unserer schnelllebigen Zeit immer größer«, sagt Linna Nickel. »Ein Ball ist immer inszenierte Festkultur. Natürlich ist es fragwürdig, mit unserem heutigen Hang zum Rationalismus und Funktionalismus weiterhin Bälle zu feiern. Aber die Menschen sind eben fasziniert von solchen Inszenierungen«, sagt Monika Fink. Es ist eben das große Phänomen des Festes.

Von Kira Brück

Foto: Maskenball im Spiegelsaal von Versailles (picture-alliance/maxppp)

Dürfen Ballroben bunt sein?

Oh ja, sie sollen sogar. Wir sagen: Nieder mit der Dauervernunft und dem ewigen Schwarzgraudunkelblau! Ein Plädoyer für mehr Mode-Mut und Spaß bei der Farbwahl.

„Was ziehe ich bloß an?“ Die Dame, die demnächst auf einen Ball geht, macht sich natürlich so ihre Gedanken. Der galante Ballbegleiter hat es da leichter: großer Gesellschaftsanzug, schon steht das Outfit. Die Sache mit dem Kleid ist indes verzwickter. Die Dame will schließlich nicht zu sehr auffallen. Aber auch nicht als Mauerblümchen durchgehen. Sophisticated wirken wäre schön, souverän sowieso! Also schwarz. Oder dunkelblau. Damit macht sie nichts falsch. Denkt sie.

Modisch sind wir heute in einem merkwürdigen Konsens angekommen: Bloß nicht zu viel Inszenierung, wenn es um die Garderobe geht. Bloß nicht anecken, aus dem Rahmen fallen. Zurückhaltung, bitte! Irgendwie schade. „Gedeckte Farben haben unseren Alltag übernommen: Autos sind anthrazit, unsere Alltagskleidung blau, sogar Kinderwagen sind zunehmend in neutralen Tönen gehalten. Dabei sind große Events wie der Bundespresseball für Frauen eine Gelegenheit, endlich wieder Mode-Mut an den Tag zu legen und zwischen den befrackten Männern hervorzustechen“, sagt Henriette Kuhrt, Stil-Kolumnistin der NZZ am Sonntag. Sie fordert: „Schluss mit der Dauervernunft, Seriosität und Unangreifbarkeit, die einem ein dunkles Kleid vermittelt – bunte Roben stehen für Glamour, Weiblichkeit und Lebenslust!“ In der Tat: Die Herren erscheinen ja fast uniformiert, sie lassen den Damen den Vortritt. Frauen mit ihren Roben sind auf einem Ballgeschehen die Hauptattraktion. Aber wie soll das gehen, ganz in grau oder schwarz?

„Viele vergessen, dass bunte Kleidung das Gesicht ganz anders in Szene setzt. Man sieht gleich viel gesünder und besser gelaunt aus. Und: Farbe streichelt die Persönlichkeit“, sagt Daniel Wingate, Modeschöpfer aus München. Der gebürtige US-Amerikaner hat u.a. für Strenesse und Hugo Boss entworfen, bei Escada war er lange Chefdesigner. Seit einem Jahr kreiert er für sein eigenes Label Wingate. „Dunkle Töne geben Sicherheit und lassen die Trägerin häufig dünner wirken. Aber Schwarz ist für mich wenig feminin und eher etwas für eine Beerdigung. Bei einem Ball feiert man doch das Leben!“ Wingate plädiert für mehr Freude an der Weiblichkeit. Denn gute Schnitte schmeicheln jedem Frauenkörper und allen Größen. Seine Kollektionen sind ein Beweis dafür. Und wer ein außergewöhnliches Kleid trägt, strahle gleich mehr Stolz und ein gewisses Standing aus. „Ein vom Schnitt her banales Kleid kann mit einer tollen Farbe eine unglaubliche Wirkung entfalten. Ein banaler Schnitt in schwarz ist tatsächlich einfach nur banal“, sagt der Designer.

Also: Mut tut gut! Raus aus der Comfortzone, weg vom Immergleichen. Und mehr Spaß an Mode, am Experimentieren. Angst vor einem Fashion-Fettnapf? Bracht es nicht. Denn: „Wenn das Kleid gut sitzt und aus einem eleganten Material besteht, kann nichts schief gehen. Ich würde nur von den pastelligem Eiskunstlauf-Polyester-Bomben mit Stickereien abraten“, sagt Stil-Expertin Henriette Kuhrt. Auf der anderen Seite: Ist nicht fast alles besser, als auf so einem Höhepunkt des gesellschaftlichen Kalenders bieder zu erscheinen? Übrigens gibt es ein deutliches Indiz dafür, dass die Ära der Zurückhaltung in der Mode nun zu Ende geht. Im Juni gab die italienische Marke Bottega Veneta nach 17 Jahren die Trennung von ihrem Designer Tomas Maier bekannt. Der hatte Legenden wie die handgeflochtenen Cabat-Taschen aus Leder geschaffen. Die Weltmarke stand für schlichte Eleganz und Diskretion. Ein Logo auf den Taschen? Fehlanzeige. Knallige Farben? Niemals. Jetzt also ein Kurswechsel. Es muss krachen, um mit Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga mithalten zu können.

Also die Damen, es wäre hinreißend, wenn Sie keine Lust mehr dazu hätten, durch Verzichtsästhetik zu punkten. Sie sind schon fast überzeugt? Na gut, ein letztes Argument hat Henriette Kuhrt noch: „Viele Designer sind dazu übergegangen, Farben einzusetzen, weil sie besser auf dem Bildschirm wirken – nach dem Motto ‚The screen has to scream‘. Wenn Sie sich hinterher auf Instagram oder in der Presse wiederfinden wollen, dann haben Sie mit einem farbigen Kleid eindeutig bessere Chancen.“

Von Kira Brück

Tanzende Moleküle

Wer sich regelmäßig bewegt, lebt gesünder. Aktuelle Studien zeigen, welche Vorteile speziell das Tanzen für Körper und Geist hat. Was genau passiert im Körper, wenn wir tanzen?

Forscher der Universität Magdeburg haben die körperlichen und physischen Auswirkungen von klassischem Paartanz im Vergleich zu monotonen Fitnessprogrammen umfassend untersucht. Das Ergebnis der Studie: Männer und Frauen, die drei Mal pro Woche ein spezielles Tanzprogramm absolvieren, altern langsamer, verbessern maßgeblich ihren Gleichgewichtssinn und verringern schwere Komplikationen bei Stürzen. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass regelmäßiges Tanzen zu einem deutlichen Anstieg des Proteins BDNF im Blut führt. »Diesem Protein wird ein Einfluss auf das Nervenwachstum zugeschrieben«, erläutert die leitende Sportwissenschaftlerin Professorin Dr. Anita Hökelmann. Das Fazit der Forscher: Tanzen kann die Bildung von neuen Nervenzellen und Nervenbindungen mehr unterstützen als ein monotones Fitnesstraining.

Beim Tanzen werden Körper und Geist gleichzeitig angesprochen. Es fördert die Aufmerksamkeit und erhöht die Konzentration. Um die vielen verschiedenen Sinneseindrücke aufzunehmen und miteinander zu kombinieren, arbeitet das Gehirn beim Tanzen auf Hochtouren. Während die Füße bestimmte Schritte gehen, lauschen die Ohren der Musik. Gleichzeitig müssen dabei immer wieder feine Bewegungssignale mit dem Tanzpartner abgestimmt werden. Schließlich soll es auf dem Parkett nicht zu einem Zusammenstoß mit anderen Paaren kommen. Durch die verschiedenen schnellen und langsamen Bewegungswechsel und die Gewichtsverlagerungen von einem auf das andere Bein wird nebenbei auch noch die allgemeine Koordinationsfähigkeit trainiert. »Tanzen ist eine Sportart, die konditionelle, koordinative und kognitive Leistungen erfordert und soziale Interaktionen fördert«, so Professorin Hökelmann.

Wie bei jeder Form der Bewegung werden auch beim Tanzen körpereigene Glückshormone ausgeschüttet, die sogenannten Endorphine. Endorphine sind vom Körper produzierte Opioide, die unter anderem Empfindungen wie Hunger oder Schmerz regulieren. Sie werden mit dafür verantwortlich gemacht, dass bestimmte körperliche Anstrengungen ein Glücksempfinden hervorrufen. Darüber hinaus vermindert Tanzen Cortisol und vermehrt Testosteron im Blut. Mit anderen Worten: Stress wird abgebaut und Lebensfreude erhöht.

Von Judith Pfaller

65 Jahre Bundespresseball

Vom ersten „Presse- und Funkfest“ im Bundeshaus in Bonn bis zum feierlichen 65. Bundespresseball im Hotel Adlon Kempinski. Ein Rückblick von Sönke Petersen, erschienen im GLANZ Magazin 2016.

Neugierig? Hier können Sie einmal ausführlich durch die letzten Jahrzehnte der Bundespresseball-Geschichte reisen…

Foto: Bundesregierung/Georg Munker 1955