Auszeichnung

Der Preis der Bundespressekonferenz wird seit 2014 jährlich verliehen und soll herausragende Leistungen im Sinne gelebter Pressefreiheit ehren.


Preis der Bundespressekonferenz 2020
Korinna Hennig und Katharina Mahrenholtz

Stellvertretend für das Team des NDR Podcasts „Coronavirus Update“.

In diesem Jahr ehren wir stellvertretend für das Team des Corona-Podcasts des NDR die beiden Wissenschaftsjournalistinnen Korinna Hennig und Katharina Mahrenholtz aus den beteiligten Redaktionen. Seit Anfang des Jahres interviewen die Moderatorinnen Korinna Hennig und Anja Martini in wöchentlichen Folgen den Virologen Christian Drosten und leisten damit einen wichtigen Beitrag, die Pandemie sowie deren Folgen zu verstehen und einzuordnen. Sie erhalten diesen Preis aber auch stellvertretend für all die Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten, die trotz ihrer wertvollen Arbeit in den Redaktionen nicht den Stellenwert genießen, der ihnen gebührt.

Die Verleihung ist für Ende November vorgesehen.

29. November 2019
Jacek Lepiarz

Ein Preis als Zeichen.

Jazek Lepiarz erhält beim Bundespresseball den Preis der Bundespressekonferenz für das Jahr 2019. Der 65-Jährige ist nicht nur ein geschätzter Kollege, der mit seinen Fragen wie viele andere Mitglieder des Vereins der ausländischen Presse (VAP) zum Funktionieren der BPK beiträgt, er hat auch viel zum Verständnis der Deutschen von Polen und der Polen von Deutschland beigetragen. Lepiarz freut sich, den Preis stellvertretend auch für viele Kolleginnen und Kollegen entgegennehmen zu können, die unter dem zunehmenden Druck der Regierungen in einer ganzen Reihe von Ländern Europas zu leiden haben und die Unabhängigkeit der Berichterstattung gefährdet sehen. Insofern soll der Preis in diesem Jahr auch ein besonderes Zeichen sein.

Jacek Lepiarz (Florian Gaertner/photothek.net)

Weil er wissen wollte, was hinter dem Mord an seinem Großvater stand, sah sich Lepiarz als junger Student in seiner Entscheidung bestätigt, Deutsch zu lernen. Wie kam es zu den Massenmorden an polnischen Offizieren, zu denen auch Hauptmann Jan Papierski gehörte? Welche Rolle spielte der Hitler-Stalin-Pakt? Er war an der Uni in Warschau für Studenten im Original in Deutsch zugänglich. Und Lepiarz studierte.

Bei der deutschen Botschaft in Warschau fand er eine erste Anstellung, arbeitete mit an der Erstellung der täglichen Presseschau und aktuellen Analysen, und über die Beschäftigung als Producer im ARD Studio bekam er weitere Kontakte zum deutschen Journalismus. Als Ergebnis konnte er bei Renate Marsch im Warschauer dpa Büro beginnen. »Eine fantastische Chefin«, schwärmt Lepiarz noch heute.

1999 wechselte er nach Berlin – und die Perspektive. Nicht mehr für Deutsche aus Polen, sondern für Polen aus Deutschland berichtete er nun im Auftrag der Polska Agencja Prasowa (PAP). Und war stets vorne dabei. Acht Jahre später wieder  Perspektivwechsel. Nun übernahm er das dpa-Büro in Warschau, hielt die Deutschen über die Vorgänge in Polen auf dem Laufenden.

Der erneute Wechsel Ende 2012 nach Berlin, wieder zur PAP, sollte nach seiner Vorstellung eigentlich sein letzter sein. Lepiarz hatte längst einen guten Namen in beiden Ländern. Doch dann errang die PiS, die Partei Recht und Gerechtigkeit, die Mehrheit und begann damit, die staatlichen Medien personell und inhaltlich umzubauen. Lepiarz betont, dass er selbst bis zum Schluss alles habe schreiben können. Doch im Umfeld wechselten die Personen, verstärkten sich die Vorgaben, mehr entlang der »polnischen Staatsräson« zu berichten. Und als Quelle durchaus auch mal Steve Bannon und seinen Breitbart-Kanal zu nutzen.

»Ich will nicht Teil dieses Konglomerates sein«, sagte sich Lepiarz. Und ganz konkret: »Mein Name soll nicht für diese Veränderung der öffentlichen Medien in Polen  stehen.« Sicherlich hätten auch zuvor schon alle Regierungen versucht, Einfluss auf die öffentlichen Medien zu nehmen, aber »keine derart hemmungslos wie diese«, erläutert Lepiarz. So stand sein Entschluss fest, der PAP den Rücken zu kehren und auf den letzten Metern bis zum Ruhestand sein journalistisches Know-how der Deutschen Welle zur Verfügung zu stellen.

Von Dr. Gregor Mayntz

23. November 2018
Gerd-Joachim von Fallois und Erhard Scherfer

Ihr Metier ist das Fernsehen.

Für News-Junkies gehören sie ohnehin zu den festen Größen. Und wer sich tags und nachts für die Vorgänge in der Hauptstadtpolitik via Fernseh-Fernbedienung interessiert, dem müssen die Preisträger auch nicht vorgestellt werden: Gerd-Joachim von Fallois (56) und Erhard Scherfer (58) werden am 23. November 2018 beim Bundespresseball mit dem Preis der Bundespressekonferenz ausgezeichnet. Die beiden »Phoenix«-Korrespondenten haben die Koalitionsbildungsversuche rund um die Uhr aus der Nähe verfolgt und einem großen Publikum gezeigt, wie aktueller, informativer, einordnender und seriöser Journalismus durch Hauptstadtkorrespondenten funktioniert.

Damit geht der Preis erstmals an zwei Mitglieder. Ihr Metier ist das Fernsehen. Das Medium ist für die Breitenwirkung besonders wichtig, hat in der alltäglichen Arbeit der Bundespressekonferenz-Mitglieder aber viel mit der sprichwörtlichen zeitlichen Einschränkung zu tun: »Und bist du noch so fleißig – du kriegst doch nur eins-dreißig. « In anderthalb Minuten aktuelle Vorgänge auf den Punkt zu bringen, auch das beherrschen von Fallois und Scherfer. Doch sie müssen es bei Phoenix nur selten. Bei ihnen heißt es eher: »Die ganz besonders Guten haben Stoff für mehr Minuten.«

Als die beiden von ihrer bevorstehenden Auszeichnung erfuhren, galt ihr erster Gedanke dem Team, den Mitarbeitern hinter der Kamera, den Redakteuren und Rechercheuren, die ihnen ein Grundgerüst liefern und ohne die ihre Leistung nicht so exzellent sein könnte. Der zweite Gedanke ging zurück zu den ungewöhnlich langen Verhandlungen und Sondierungen – und zur Witterung vor und nach der Jahreswende. »Regen, Schnee, Hagel, Frost, wir haben alle Herbst- und Wintervarianten bei unseren Live-Schalten gehabt«, erinnert sich Scherfer, der nun »genau weiß, wo man in Berlin Thermo-Unterwäsche kaufen kann«.

Erhard Scherfer (Phoenix)

Auch von Fallois hat ein spezielles Erlebnis vor Augen: die kleine Windhose, die unmittelbar vor einer Übertragung alle Blätter um den Kamerastandort hochwirbelte. Da kommen Koalitionsverhandlungen aus den 90er-Jahren umso sehnsuchtsvoller ins Gedächtnis. Die waren nicht nur viel kürzer, sondern in Bonn konnte man auch schon mal »in der warmen Sonne vorm Kanzleramt auf dem Mäuerchen sitzen«, erinnert sich von Fallois. Der gebürtige Koblenzer war schon als Wehrpflichtiger bei Radio Andernach, volontierte beim NDR, studierte Politik in Bonn und arbeitete dann viele Jahre für n-tv in Bonn. Seit 2002 ist er für Phoenix in Berlin.

Gerd-Joachim von Fallois (Phoenix)

Scherfer stammt aus dem westfälischen Lünen und studierte in Münster Publizistik, Anglistik und Politikwissenschaften. Er volontierte bei der Westfälischen Rundschau, bei der er auch als Nachrichtenredakteur startete. Bevor er 2011 Korrespondent in Berlin wurde, arbeitete er in der neu gegründeten Nachrichtenredaktion bei Vox, bei WDR, Sat1, Pro7 und Phoenix. Wie viele andere Korrespondenten und die meisten Akteure selbst verfolgten die beiden die Jamaika-Verhandlungen mit der Erwartung, dass sich die vier Parteien »schon zusammenraufen« würden. Die »kurioseste Schalte« erlebte Scherfer vor der baden-württembergischen Landesvertretung, als er – unter dem Vorbehalt, dass es noch nicht bestätigt sei – die Einigung beim Soli-Abbau verkündete, während im Hintergrund der Informant bereits begann, seine eigene Mitteilung zurückzuholen – was Scherfer dann umgehend auch tat. Die lebhaften Publikumsreaktionen zeugen von Dankbarkeit vieler Zuschauer für das Durchhaltevermögen der beiden und ihre so schnellen wie präzisen Einordnungen. Sie gaben sich an langen Tagen und in kalten Nächten die Klinke und das Mikrofon in die Hand und lieferten ein Highlight für den Hauptstadtjournalismus.

Von Dr. Gregor Mayntz

24. November 2017
Kristina Dunz

Ein Preis nicht nur für eine Frage.

Als Kanzleramts-Korrespondentin der dpa hat sie im März im Weißen Haus in Washington ein weltweites Publikum auf die Vorzüge des BPK-Prinzips aufmerksam gemacht, wonach nicht Politiker bestimmen, wer sie befragen darf, sondern die Journalisten das selbst entscheiden. Kristina Dunz erhält den Preis nicht nur für ihre kritischen Fragen in Washington, ihre journalistisch sorgfältige Arbeit in Berlin und im Alltag der BPK, sondern auch als Zeichen der Solidarität mit den vielen Journalisten in leider immer mehr Ländern, in denen die Politiker Journalisten ausgrenzen, ausschalten und diffamieren, statt sich einfach ihren Fragen zu stellen.

Kristina Dunz (Michael Kappeler/dpa)

Kritische Fragen als Regel, nicht als Ausnahme. Für Dunz galt das natürlich auch vor Trump. Von Barack Obama wollte sie wissen, warum er Guantanamo nicht geschlossen, die Todesstrafe nicht bekämpft und ein gespaltenes Land hinterlassen habe. Gemessen daran, stellten ihre Fragen an Trump und Merkel keinen qualitativen Unterschied dar. So wollte sie wissen, warum Trump Pressevielfalt eigentlich so große Angst mache, dass er so oft von Fake News spreche und selbst Dinge behaupte, die dann nicht belegt werden könnten, wie die Äußerung, Obama habe ihn abhören lassen.

Zuvor hatten sich die deutschen Journalisten darauf verständigt, wer zum Ende der Begegnung zwischen dem US-Präsidenten und der Kanzlerin fragt: Kristina Dunz und Ansgar Graw; die Kanzlerin bekam das Ergebnis mitgeteilt, ohne auch nur zu ahnen, welche Fragen kommen könnten. Das ist sie von der Bundespressekonferenz gewohnt. Trump kennt es nicht. Er schneidet absehbar kritische Fragesteller der großen US-Zeitungen. Und er wusste sich auch nicht anders zu helfen, als Dunz überrascht eine »nette, freundliche Reporterin« zu nennen, von der er nicht wisse, welche Zeitung sie lese, dass das aber wieder ein Beispiel für Fake News sei.

»Entlarvend« nennt Dunz das. Aber es entlarvte noch mehr. »Endlich« sei die Frage nach dem unbewiesenen Abhör-Vorwurf gestellt worden, lobten die US-Kollegen. Für Dunz war es Teil eines bescheidenen, aber spürbaren Prozesses: »Die deutschen Journalisten haben von den amerikanischen Kollegen viel gelernt, für das wir sehr dankbar sein können, nun gibt es die Gelegenheit, das ein Stück zurückzutragen.«

Parallel »explodierte« die Reaktion im Netz. Die kleine Irritation, dass sie bei Twitter »Waltraut« als Vornamen wählte, klärte Kristina Dunz inzwischen auf. Damit lasse sie ihre Oma im Netz weiter leben, die sich bis ins hohe Alter für die Politik interessiert habe. Auch analog folgte eine Welle. Rund 200 Briefe erreichten Dunz. »Sie waren teilweise erschütternd, überwiegend von Frauen und schilderten sehr eindringlich, wie Menschen in den USA unter diesem Präsidenten leiden«, berichtet Dunz.

Die Reaktionen zeigten zudem, wie wichtig freier Journalismus für eine funktionierende Demokratie ist. Dafür steht der Preis der Bundespressekonferenz.

Von Dr. Gregor Mayntz

25. November 2016
Rolf-Dieter Krause

Der Europa-Erklärer

»Brüssel war der Eimer, auf den mein Hintern passte.« Seine ungeschnörkelte Sprache und seine messerscharfe Analyse haben Rolf-Dieter Krause zur journalistischen Institution gemacht. Wenige Monate nach seinem Wechsel in den Ruhestand nach Berlin wird der langjährige Leiter des ARD-Studios in Brüssel beim Bundespresseball am 25. November mit dem Preis der Bundespressekonferenz 2016 ausgezeichnet.

Rolf-Dieter Krause (Bernd Maurer/WDR)

Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnet Krause als »leidenschaftlichen Europäer«, für den früheren WDR-Intendanten Friedrich Nowottny hat er »Europa verständlich gemacht«. Der Preisträger selbst bevorzugt die Bodenhaftung: »Ein guter Journalist muss sich immer ernst nehmen, aber nie wichtig.« Seine Zeit außerhalb Deutschlands hat ihn in seiner Einstellung als Verfassungspatriot gestärkt. Das Erleben der politischen und journalistischen Wirklichkeit in Europa brachte ihn zu der Überzeugung: »Ich bin gerne Deutscher.« Das Land sei zwar nicht perfekt, aber es sei »klasse« immer wieder die Freiheiten zu erleben. Als Beispiel nennt er das Entsetzen von Kollegen aus anderen Ländern, nachdem er in einem viel beachteten Kommentar nach den letzten Europawahlen die Bundeskanzlerin vor dem Bruch ihres Wahlversprechens warnte. Klar, treffend, verletzend. »Das hätte ich mir bei uns nicht erlauben können«, lautete es aus anderen Ländern. Und mit ungläubigem Staunen erfuhren die Kollegen, dass es aus dem Kanzleramt nicht einmal einen Anruf gegeben habe. Geschweige denn irgendwelche Nachteile.

Als gelebte Pressefreiheit hat Krause auch die Bundespressekonferenz vor Augen, der er von 1985 bis 1990 und von 1995 bis 2000 angehörte. Dass jedes Mitglied jede Frage stellen könne und sich die Politiker der Moderation eines Journalisten unterwürfen, sei einmalig in der ganzen Welt. »Überall sonst suchen sich die zu Befragenden die Fragenden selbst aus«, weiß Krause aus internationaler Erfahrung. Und in manchen Staaten bekämen Kollegen zwei Tage vor der Pressekonferenz einen Anruf mit der Mitteilung, dass sie dieses Mal eine Frage an den Präsidenten richten dürften – und man wisse auch schon, welche besonders gewünscht sei.

Bleibt zu hoffen, dass sich Krause auch aus dem Ruhestand gelegentlich zu Wort meldet. Ein Europa in schwerem Fahrwasser und mit populistischen Strömungen, die die Grundfesten unterspülen, braucht klare Ansagen. »Viele jener Ursachen, die zu schrecklichen Kriegen geführt haben, sind ja noch da«, hebt Krause hervor. Je selbstverständlicher Freiheit und Frieden seien, desto dringender sei es, die »EU als friedensstiftende Institution« zu stärken.

Der Preis der Bundespressekonferenz, eine in Kristall gravierte Tastatur, mag Krause an seine Anfänge als WAZ-Kollege erinnern. Oder an die Zeit, als er »langhaarig und mit vielen Wieso-Fragen« als WDR Korrespondent in Bonn BPK-Mitglied wurde und die Hilfsbereitschaft der alten Hasen schätzen lernte. Der durchsichtige Preis steht aber auch für Durchblick à la Krause. Auch ohne das Bild vom Eimer und Hintern ist klar: Das ist der Preis, der zu Krause passt.

Von Dr. Gregor Mayntz

27. November 2015
Christoph Reuter

Weil er nachfragt, nachbohrt, den Dingen auf den Grund geht.

21. November 2014
Gernot Heller

Fragen und Nachfragen für das Kollektiv.